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Padre Pios Erhöhung



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Am 18.12.1997 verkündete der Heilige Vater nach Abschluß aller Untersuchungen die offizielle Aufnahme Pater Pios in die Reihe der Ehrwürdigen der katholischen Kirche, und ein Jahr später, am 21.12.1998, bestimmte er, aufgrund eines unbezweifelbaren Wunders durch die Fürbitte des Paters, dessen Seligsprechung und legte diese auf den 9. Mai 1999 fest. 

Eine fieberhafte Zeit der Vorbereitung und der Organisation begann, sowohl in San Giovanni Rotondo als auch in Rom selbst. Als 1992, bei der Seligsprechung des Begründers des Opus Dei, P. J. Escrivà, etwa 200.000 Pilger in die heilige Stadt kamen, herrschten zum Teil chaotische Zustände, vor allem was den Straßenverkehr anbelangte, was einige schlimme Folgen hatte. Das sollte sich nun nicht wiederholen, auch wenn diesmal noch weit mehr Pilger erwartet wurden. Dank der Arbeit der Kapuziner in San Giovanni Rotondo, der Kurie des Ordens in Foggia, der vatikanischen Ämter, der Behörden und der Verwaltung der Stadt Rom wurde dieses Ziel erreicht. 

Kein Außenstehender macht sich auch ein nur annähernd zutreffendes Bild von der Menge der Aufgaben, die ein solch außergewöhnliches Ereignis in der Vorbereitung mit sich bringt! 

Da man wußte, daß der Petersplatz niemals die zu erwartende Menschenmenge fassen würde, war auch der große Platz vor der Lateranbasilika zur Verfügung gestellt worden, wo die Gläubigen das Geschehen auf Großbildschirmen, wie sie auch in San Giovanni Rotondo aufgestellt worden waren, verfolgen konnten. Vor der St. Petersbasilika war die ganze Fläche innerhalb der Kolonnaden in Planquadrate eingeteilt, die mit langen Reihen Stühlen versehen waren. Außer den 50.000 Sitzplätzen waren noch 100.000 Karten für Stehplätze vergeben worden. Der weitaus größere Rest der zu erwartenden Pilger mußte sich in weiterer Entfernung mit einem Stehplatz begnügen oder von vornherein mit dem Lateranplatz vorliebnehmen. 
Ende April wandte sich der Oberbürgermeister von Rom durch Fernsehen und Zeitung an die Bevölkerung der Stadt mit dem Aufruf, man möge am Wochenende des 1./2. Mai nicht ohne zwingenden Grund außer Hauses gehen und so die Straßen für die Pilger freihalten. Die Wochenendausgaben berichteten dann über eine wahre Massenflucht der Römer aus der Stadt in die Berge oder ans Meer, sofern sie nicht auch persönlich an den Feierlichkeiten der Seligsprechung von Pater Pio teilnehmen wollten. 

Noch in der Nacht vom 1. zum 2. Mai begann der Zustrom der Busse und Privatwagen. Flugzeuge brachten tausende von Pilgern aus Irland, den U.S.A., Kanada, aus Südamerika sowie aus fünf afrikanischen Staaten und sogar aus Neuseeland; man begegnete Indern und Australiern, aber auch Japanern und natürlich den Vertretern der europäischen Nationen, und alle strebten schon zu jener frühen Morgenstunde in die Richtung des Vatikans oder nach dem Lateran. Tausende auswärtiger Polizisten verstärkten die römischen Ordnungshüter und wurden doch nur mit Mühe Herr der Lage. Sowohl der Petersplatz als auch der Lateran waren schon am Vortage in einem weiten Umkreis mit barrikadenartigen Gittern abgesperrt worden, und als dann kurz nach sechs Uhr in der Früh die einzelnen Durchgänge geöffnet wurden, strömte sintflutartig die wartende Menge auf die beiden Basiliken zu. Weniger als eine Stunde genügte, um das Bild zu verändern. Alle Sitze waren besetzt, und unübersehbare Menschenmengen standen dichtgedrängt in den angrenzenden Straßen. Die Via della Coneiliazione, die breite Prachtallee, die den Petersplatz Richtung Innenstadt verläßt, faßte allein schon bis zur Tiberbrücke mehr als Hunderttausend Pilger. Jede genauere Schätzung wurde bei diesem Andrang unmöglich. Der Bayerische Rundfunk- und Fernsehsender, der mit ca. dreißig anderen Fernsehgesellschaften zugegen war, sprach in seiner Live-Übertragung sogar von 800.000 Besuchern, was aber doch einiges zu hoch gegriffen ist. Der "Osservatore Romano" vom 3./4. Mai spricht von 350.000 Pilgern, die eigens angereist waren, wozu natürlich noch die Einheimischen kamen. Außerdem heißt es, «könne die Seligsprechungsfeier als eine gelungene "Generalprobe" für die Feierlichkeiten im Heiligen Jahr 2000 gewertet werden».

Die Feier wurde übrigens in 32 Ländern der Erde live übertragen, was das weltweite Interesse schlagend beweist. Ängstlichere Menschen hatten wegen des Kosovokrieges ihren Besuch in Rom oder in San Giovanni Rotondo abgesagt, und wieder andere hatten sich von dem in den Medien angekündigten Chaos abschrecken lassen und das Geschehen lieber daheim am Fernsehen verfolgt. 

Kurz vor Beginn der Feierlichkeiten füllte sich auch die Empore zu beiden Seiten des für den Papst errichteten Hochaltars unter dem Baldachin. Das ganze am Vatikan akkreditierte Diplomatische Korps erschien im Frack, mit Schärpen und Orden behängt; Mitglieder der römischen Adelsfamilien mischten sich mit ihnen. Ich zählte 26 Kardinäle und zahlreiche Bischöfe, und auch die Kapuziner - nicht nur aus San Giovanni Rotondo - waren reichlich vertreten. 

Die Menge klatschte Beifall, als 0.L. Scalfaro, der Staatspräsident Italiens, seinen Platz einnahm. Vor ihm waren schon Ministerpräsident D'Alema mit mehreren Mitgliedern des Kabinetts sowie Senatspräsident Nicola Mancino und verschiedene andere Vertreter aus Politik und Wirtschaft gekommen. 

Pünktlich um 9.30 Uhr öffnete sich der Vorhang an einem Portal der Basilika, und nach einer langen Reihe von Konzelebranten betrat Johannes Paul II., auf seinen Bischofsstab gestützt und unter dem Jubel der Gläubigen, die Empore, wo er vor dem Hochaltar auf dem Papstthron Platz nahm. Orgelbrausen und der Gesang der Chöre erfüllten die Luft. 

Nach der Begrüßung der Gemeinde durch Seine Heiligkeit und dem Gesang des "Kyrie" trat der Erzbischof von Manfredonia-Vieste S.E. Vincenzo D'Addario in Begleitung des Generalpostulators des Kapuzinerordens vor den Heiligen Vater, um seinen Antrag auf die Seligsprechung Pater Pios, der in seiner Diözese gelebt und gewirkt hat, vorzutragen, wobei er in Kürze die Tugenden und Verdienste des Ordensmannes aufzählte. 

In einer absoluten, gebannten Stille, fast als hätten die Hunderttausende den Atem angehalten, erklang die traditionelle Formel, mit welcher der Papst durch seine Apostolische Vollmacht Pater Pio in die Reihe der Seligen der Katholischen Kirche aufnahm. 

Der Jubel der Gläubigen kannte keine Grenzen! Unter Tränen der Freude und Rührung, unter stürmischem Applaus und Szenen bewegter Dankbarkeit über das endlich erreichte Ziel hoben sich in diesem Augenblick gleichzeitig an den Fassaden der Basiliken von St. Peter und dem Lateran sowie der Kirche Santa Maria delle Grazie in San Giovanni Rotondo die Schleier vor den bisher verhüllten Bildnissen des neuen Seligen. 

Zur Verehrung der Reliquien wurden nun von Kapuzinern und Laien in Prozession ein wunderbarer, silberner Reliquienschrein, Blumen und Kerzen vor den Heiligen Vater getragen und seitlich vor dem Altar aufgestellt, wonach S.E. der Erzbischof wiederum zusammen mit dem Generalpostulator vor den Stuhl des Papstes trat und ihm im Namen der ganzen Kirche für die Seligsprechung des Ehrwürdigen Dieners Gottes Pater Pio von Pietrelcina dankte. Sämtliche Formeln wurden in Latein gesprochen. Der Heilige Vater stimmte das "Gloria" an, worauf der Chor und die Gemeinde einfielen. Es folgte sodann der Wortgottesdienst. Die erste Lesung, aus der Apostelgeschichte (6, 1-7), wurde in englischer Sprache gehalten, die zweite, aus dem ersten Petrusbrief (2, 4-9), in spanisch. Die Textstelle aus dem Evangelium (Joh. 14, 1-12) wurde gesungen vorgetragen von einem jungen Kapuzinerdiakon aus San Giovanni Rotondo. 

Es folgte die Homilie des Papstes, in welcher er selbst das heiligmäßige Leben Pater Pios würdigte. Während all der Stunden seit dem frühen Morgen war der Himmel wechselnd bewölkt gewesen, freundliche Schäfchenwolken zogen vorbei und verhinderten eine große Hitze, wie sie in den Tagen zuvor, zumindest in Rom, schon geherrscht hatte. Aber es fiel auch die ganze Zeit über kein Tropfen Regen, was fast schon ein Wunder war, wenn man bedenkt, daß die Meteorologen nach den hohen Temperaturen ausgerechnet für diesen Sonntag starke Regenfälle und Gewitter für ganz Mittelitalien vorausgesagt hatten. Solche "Zufälle" wollen wir jedoch keines- falls zu den Wundern Pater Pios zählen, sonst kämen wir mit dem Zählen bald gar nicht mehr nach. Also sagen wir einfach: Wir hatten Glück und Gott sei Dank! 

Die feierliche Konzelebration nahm ihren Verlauf. Das Gebet der Gläubigen wurde in deutsch, philippinisch, polnisch, französisch und portugiesisch gesprochen und so, wie schon zuvor bei den Lesungen, auch den Gläubigen aus anderen Nationen, die entweder persönlich anwesend waren oder am Bildschirm zuhause das Geschehen auf dem Petersplatz mitverfolgten, Rechnung zu tragen. Es wurde darum gebetet, daß "die Kirche aus der Barmherzigkeit des Vaters schöpfen könne, um dadurch täglich die verwirrten Herzen der Menschen zu trösten", und daß "das Gute in der Welt den vom Vater bestimmten Platz erhalten möge und die Welt endlich erkenne, daß der Vater für alle einen Platz bereit hält". Von besonderer Bedeutung die Intention für den Frieden im Kosovo, in Jugoslawien und in den anderen von Krieg und Gewalt zerrissenen und verwundeten Ländern der Erde: «Damit die Regierungen der Völker und Nationen bei ihren Handlungen immer das Leben, den Frieden, die Gerechtigkeit, den Wohlstand und jedes nur mögliche Wohlergehen anstreben und die Werke des Todes, des Krieges, der Ungerechtigkeit, des Bösen und jedes nur möglichen Unheils, die dem Werk des Vaters und seines Sohnes Jesus Christus widersprechen, ablehnen mögen». 

Es folgte das Offertorium mit einer Reihe von Gaben, die zum Teil von den Mitbrüdern des neuen Seligen aus der Kapuzinerprovinz von Foggia, zum Teil von geistigen Kindern, darunter auch Sohn und Tochter der durch die Fürsprache des sei. Pater Pio wunderbar Geheilten, zum Altar getragen wurden. 

Bei der Wandlung des Brotes und des Weines zum Fleisch und Blut Unseres Herrn Jesus Christus durch den Heiligen Vater fielen Hunderttausende, vom Staatspräsidenten bis zum Elementarschüler, andachtsvoll und ehrfürchtig auf die Knie. Wir alle sind nur sündige, sterbliche Menschen, wenn uns nur des öfteren Momente wie diese daran erinnern würden! 

Hin und wieder, wenn es nicht störte, nahm ich mein Fernglas, um einzelne Persönlichkeiten in "Großaufnahme" zu sehen, schließlich war ich nahe genug an der Tribüne. Am meisten beschäftigte mich Seine Heiligkeit und rührte an mein Herz. Sein Gesicht ist zerfurcht, weit über sein Alter hinaus, seine Hände, die den Hirtenstab umklammerten, zitterten leicht, aber ununterbrochen. Er ist in den letzten Jahren wohl nie wieder richtig gesund geworden, und trotzdem versieht er sein hohes Amt, ohne auf sich selbst Rücksicht zu nehmen. Beten wir zu Gott, damit Er dem Papst weiterhin Kraft und Ausdauer verleihen möge, um auch noch die Heiligsprechung Pater Pios mit seinem Namen verbinden zu können.  

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