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Die Seligsprechung Padre Pios


 

Ich hatte soeben das Anlegen der heiligen Meßgewänder beendet und war bereit, an der Konzelebration unter dem Vorsitz des Heiligen Vaters Johannes Pauls II. teilzunehmen, als mich plötzlich ein mächtiger Wunsch durchdrang.

Der Wunsch, einen Blick auf die Menschenmenge zu werfen, die herbeigeeilt war, um an der Seligsprechungsfeier des Ehrwürdigen Pater Pio aus Pietrelcina teilzunehmen.
Der verehrte Leser wird sicher verstanden haben, daß es der Morgen des 2. Mai war und ich mich zusammen mit den anderen Priestern, Bischöfen und Kardinälen im rechten Seitenschiff der Basilika von Sankt Peter in Rom befand, und zwar genau vor der Kapelle, wo die hieratische Statue von Papst Pius XII. thront. Bis zum Eingangsportal waren es einige Dutzend Meter, eine Strecke, die für mein armes, von Bruder Infarkt heimgesuchtes Herz eine beträchtliche Anstrengung bedeutete.
Außerdem befürchtete ich, daß die unerbittlichen Aufseher, welche wie die biblischen Cherubine des Gartens Eden alle Zugänge bewachten, es mir untersagt hätten, mich jenem Portal zu nähern.

Ich machte mir Mut und richtete mich an die Wächter, indem ich schüchtern meinen Wunsch vorbrachte und dann schweigend und ein wenig bang abwartete. Jedoch, wie groß war mein Erstaunen, welch angenehme Überraschung war es, als einer von ihnen mit freundlichem Lächeln «Aber sicher, Pater» antwortete und mir das Portal öffnete.
Ich trat eiligst aus der Basilika auf den Kirchplatz hin- aus und blieb dort stehen, von wo ich den Blick ringsum über die ganze Versammlung schweifen lassen konnte.

Mein Herz hüpfte vor Freude, und ich fand keine Worte für das Bild, das sich mir darbot! Eine ungeheuere Menschenmenge füllte von der Basilika bis hinunter zum Tiber alle zur Aufnahme der Gläubigen vorgesehenen und hergerichteten Sektoren: links und rechts vor dem Eingang der Kirche, dann unten auf dem Petersplatz die beiden Sektoren San Pietro und San Paolo, gefolgt von den Sektoren 1, 2, 3, 4, 5, 6, wo man bequem sitzen konnte, und schließlich die restlichen Sektoren, welche nur eine stehende Teilnahme gestatteten. Überall wurde eine absolut vollkommene Ordnung eingehalten. Es schien, als stünde dieser Strom von Menschen still und unbeweglich. 

Mir kam das Buch Numeri des Alten Testaments in den Sinn, und ich erinnerte mich an den von Bileam über Israel ausgesprochenen Segen: «Wie sind deine Zelte, Jakob, so schön, und deine Behausungen, Israel! Wie Bachesgründe, die weit sich hinziehn, wie Gärten längs des Stromes hin! Wie Eichen, die Jahwe gepflanzt, wie Zedern am Wasser entlang» (Num. 24, 5-6).

Während ich mich noch an dem Anblick jenes prächtigen Schauspiels entzückte, fiel mir noch ein weiteres Element auf, das unumschränkt über jenes heterogene, aus allen Teilen Italiens und der ganzen Welt zusammengekommene Volk herrschte, ein Element, das mich angenehm berührte: die Stille, die Ruhe. Jenes Volk lebte in der Stille, im Schutz der Stille, mit Stille umgeben gleichsam wie mit einem Lendengurt. Jedoch war diese Stille nicht bloß etwas ungewöhnliches in Anbetracht einer solch großen Menschenmenge, sondern sie war gleichzeitig auch der natürliche Nährboden, ohne den jene heilige Zeremonie nicht hätte stattfinden können noch hätte in würdiger Weise abgewickelt werden können. Es war keine aufgezwungene Stille, sondern eine erwünschte, begehrte, gleich einer notwendigen Forderung des Geistes gegenüber dem heiligen Ort und der heiligen Handlung. 

In jener Stille hörte man nicht einmal Geflüster oder schwaches Gemurmel, was zuweilen unvermeidbar ist bei einer so riesigen Ansammlung von Personen.

Nur von Zeit zu Zeit ertönten aus dieser tiefen Stille die tröstlichen Noten vergessener Tränen. Es waren aber keine Tränen des Schmerzes, sondern der Liebe: der Liebe zu Gott, der Liebe zum Papst, zum ehrwürdigen Pater Pio, zu den leidenden Brüdern im Kosovo, zu den Armen in der ganzen Welt. 

Und schließlich die Rührung: eine tiefe, sich ausbreitende Rührung, die sich wie eine Decke ganz über jene Menschenmenge breitete. Eine auf würdige Weise beherrschte Rührung jedoch, die zu keinerlei unangebrachten, ungehemmten Äußerungen oder Ausschreitungen führte.

Nachdem ich diesen eindrucksvollen, großartigen Anblick des Petersplatzes sowie der Via della Conciliazione ausgiebig bewundert hatte, kehrte ich in die Basilika zurück, um mich dem Zug der Priester, Bischöfe und Kardinäle anzuschließen, die im Begriff standen, sich für die Konzelebration zum Altar hinzubegeben.

Ich will mich hier nicht mit der Beschreibung der verschiedenen Momente dieser heiligen Zeremonie aufhalten, die ja im folgenden in diesem Heft ausführlich behandelt und illustriert werden. Ich beschränke mich hier lediglich darauf zu bekräftigen, daß die eingangs von mir erwähnten Elemente: Ordnung, Stille, Tränen, Rührung, im Laufe der Feier der Hl. Messe gleichbleibend oder eher noch verstärkt vorhanden waren. Der Höhepunkt wurde natürlich in dem Augenblick erreicht, als der Heilige Vater 

Johannes Paul 11. Pater Pio mit den vorn Päpstlichen Zeremoniell vorgeschriebenen Worten selig erklärte: «Kraft unserer Apostolischen Vollmacht bestimmen wir, daß der Diener Gottes Pio von Pietrelcina von nun an als Seliger angerufen und verehrt werden darf und daß sein Fest gemäß den Verfahrensregeln des kirchlichen Rechts am Tag seines Eintritts in die Vollendung, das ist der 23. September, jedes Jahr gefeiert werden darf».

An diesem Punkt erfuhren die Regeln des stillen, disziplinierten Verhaltens jener Menschenmenge eine Ausnahme, jedoch auch jetzt innerhalb der goldenen Schranken des Respekts und der Mäßigung. Viele sprangen von ihren Sitzen auf, hüpften und winkten und riefen: «Es lebe der Papst», «Es lebe Pater Pio». Viele schwenkten ihre Tücher oder Sonnenhüte. Andere brachen in Tränen aus, und wieder andere schließlich schluchzten tief bewegt vor Freude. 

Dann trat wieder Ruhe ein, und der Papst konnte mit der Feier der heiligen Messe fortfahren, während ringsum absolute Ordnung und tiefste Stille herrschte, gemischt mit geheimen und versteckten Tränen und einer allgemeinen Rührung, die alle Anwesenden mit ihrem leicht auf- und abwogenden, duftenden Mantel einhüllte und bedeckte. 

Man hat mir gesagt, daß sich dieselbe Szene wie auf dem Petersplatz auch auf dem Platz vor der Lateranbasilika, in San Giovanni Rotondo und in Pietrelcina abspielte. Viele haben mich gefragt: Welches ist Ihrer Meinung nach das größte Wunder von Pater Pio? Ohne zu zögern habe ich geantwortet: der ergreifend schöne, herrliche Tag des 2. Mai.

 



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